Prüfverfahren von Uhrenherstellern zum Thema Druckfestigkeit


1. Was bedeutet Druckfestigkeit bei Armbanduhren?

Die Druckfestigkeit beschreibt die Fähigkeit eines Uhrengehäuses, äußeren Druck zu widerstehen, ohne dass Wasser oder Luft in das Innere eindringt oder Bauteile beschädigt werden.

Typische Angaben sind:

  • 3 bar / 30 m
  • 5 bar / 50 m
  • 10 bar / 100 m
  • 20 bar / 200 m
  • 30 bar / 300 m oder mehr

Diese Werte beziehen sich auf den statischen Prüfdruck im Labor, nicht auf reale Tauchtiefen.

Die Grundlage vieler Prüfungen ist die Norm:

  • ISO 22810 – allgemeine Wasserdichtigkeitsnorm für Armbanduhren.
  • ISO 6425   – spezielle Norm für professionelle Taucheruhren.


2. Wie Druck in der Praxis entsteht

Hydrostatik (Wassertiefe)

Unter Wasser steigt der Druck ungefähr um 1 bar pro 10 Meter Tiefe.

Beispiel:

TiefeDruck
Oberfläche1 bar
10 Meter2 bar
20 Meter3 bar
50 Meter6 bar

Dieser Druck wirkt auf:

  • Gehäuse
  • Glas
  • Dichtungen
  • Krone und Drücker

3. Dynamischer Druck

In der Praxis entstehen zusätzliche Druckspitzen durch:

  • schnelle Armbewegungen beim Schwimmen
  • Sprünge ins Wasser
  • Wassersport mit Geschwindigkeit (z. B. Jetski)

Diese dynamischen Belastungen sind kurzfristig deutlich höher als der statische Wasserdruck.


4. Thermischer Einfluss auf die Druckfestigkeit

Neben mechanischem Druck spielt auch Temperatur eine wichtige Rolle.

Temperaturänderungen beeinflussen Uhren auf drei Arten:

1. Materialausdehnung

Metalle und Glas dehnen sich bei Wärme aus und ziehen sich bei Kälte zusammen.

Wenn unterschiedliche Materialien beteiligt sind (z. B. Stahlgehäuse + Saphirglas), entstehen Spannungen an den Dichtstellen.

2. Veränderung der Dichtungen

Uhren verwenden meist Dichtungen aus:

  • Nitrilkautschuk
  • Silikon
  • Fluorkautschuk

Bei:

  • Kälte → werden sie härter
  • Hitze → werden sie weicher

Beides kann die Abdichtung beeinflussen.


5. Druckunterschiede durch Luft im Gehäuse

Im Gehäuse befindet sich eine kleine Luftmenge. Wenn sich diese durch Temperatur erwärmt, steigt der innere Druck.

Beispiel: Die Uhr ist zuerst im kaltem Wasser und anschließend in der heißer Sauna.

→ Kondensation oder Druckunterschiede können entstehen.


6. Prüfmethoden für Druckfestigkeit

Hersteller testen Uhren üblicherweise in zwei Schritten:

1. Die Trockenprüfung

Die Uhr kommt in eine Druckkammer.

  • Luftdruck wird erhöht
  • Sensoren messen Gehäuseverformung

Vorteil: kein Risiko für das Uhrwerk.

2. Die Nassprüfung

Die Uhr wird teilweise ins Wasser getaucht.

Ablauf:

  • Druck wird erhöht
  • Uhr wird ins Wasser gesenkt
  • Druck wird reduziert

Wenn Luftblasen austreten ist ein Leck vorhanden.


7. Extremfälle: Taucheruhren und Sättigungstauchen

Professionelle Taucheruhren, etwa Modelle von Herstellern wie Rolex, Omega, Seiko und vielen weiteren Qualitätsherstellern sind teilweise für extreme Tiefen konstruiert.

Ein Beispiel ist die berühmte Tiefseeuhr Rolex Deepsea Sea‑Dweller

Solche Uhren besitzen verstärkte Gehäuse, dicke Saphirgläser und Heliumventile für Sättigungstauchen. Das Heliumventil verhindert, dass sich bei Druckentlastung Gas im Gehäuse ausdehnt und das Glas absprengt.


8. Thermoschock-Tests

Viele Hersteller führen zusätzlich Temperaturwechseltests durch:

Typischer Ablauf:

  1. Uhr bei 40 °C
  2. sofort in 5 °C Wasser
  3. anschließend wieder Erwärmung

Ziel ist es zu prüfen:

  • ob sich Kondensation bildet
  • ob Dichtungen weiterhin funktionieren.