Prüfverfahren von Uhrenherstellern zum Thema Druckfestigkeit
- 1. Was bedeutet Druckfestigkeit bei Armbanduhren?
- 2. Wie Druck in der Praxis entsteht
- 3. Dynamischer Druck
- 4. Thermischer Einfluss auf die Druckfestigkeit
- 5. Druckunterschiede durch Luft im Gehäuse
- 6. Prüfmethoden für Druckfestigkeit
- 7. Extremfälle: Taucheruhren und Sättigungstauchen
- 8. Thermoschock-Tests
1. Was bedeutet Druckfestigkeit bei Armbanduhren?
Die Druckfestigkeit beschreibt die Fähigkeit eines Uhrengehäuses, äußeren Druck zu widerstehen, ohne dass Wasser oder Luft in das Innere eindringt oder Bauteile beschädigt werden.
Typische Angaben sind:
- 3 bar / 30 m
- 5 bar / 50 m
- 10 bar / 100 m
- 20 bar / 200 m
- 30 bar / 300 m oder mehr
Diese Werte beziehen sich auf den statischen Prüfdruck im Labor, nicht auf reale Tauchtiefen.
Die Grundlage vieler Prüfungen ist die Norm:
- ISO 22810 – allgemeine Wasserdichtigkeitsnorm für Armbanduhren.
- ISO 6425 – spezielle Norm für professionelle Taucheruhren.
2. Wie Druck in der Praxis entsteht
Hydrostatik (Wassertiefe)
Unter Wasser steigt der Druck ungefähr um 1 bar pro 10 Meter Tiefe.
Beispiel:
| Tiefe | Druck |
| Oberfläche | 1 bar |
| 10 Meter | 2 bar |
| 20 Meter | 3 bar |
| 50 Meter | 6 bar |
Dieser Druck wirkt auf:
- Gehäuse
- Glas
- Dichtungen
- Krone und Drücker
3. Dynamischer Druck
In der Praxis entstehen zusätzliche Druckspitzen durch:
- schnelle Armbewegungen beim Schwimmen
- Sprünge ins Wasser
- Wassersport mit Geschwindigkeit (z. B. Jetski)
Diese dynamischen Belastungen sind kurzfristig deutlich höher als der statische Wasserdruck.
4. Thermischer Einfluss auf die Druckfestigkeit
Neben mechanischem Druck spielt auch Temperatur eine wichtige Rolle.
Temperaturänderungen beeinflussen Uhren auf drei Arten:
1. Materialausdehnung
Metalle und Glas dehnen sich bei Wärme aus und ziehen sich bei Kälte zusammen.
Wenn unterschiedliche Materialien beteiligt sind (z. B. Stahlgehäuse + Saphirglas), entstehen Spannungen an den Dichtstellen.
2. Veränderung der Dichtungen
Uhren verwenden meist Dichtungen aus:
- Nitrilkautschuk
- Silikon
- Fluorkautschuk
Bei:
- Kälte → werden sie härter
- Hitze → werden sie weicher
Beides kann die Abdichtung beeinflussen.
5. Druckunterschiede durch Luft im Gehäuse
Im Gehäuse befindet sich eine kleine Luftmenge. Wenn sich diese durch Temperatur erwärmt, steigt der innere Druck.
Beispiel: Die Uhr ist zuerst im kaltem Wasser und anschließend in der heißer Sauna.
→ Kondensation oder Druckunterschiede können entstehen.
6. Prüfmethoden für Druckfestigkeit
Hersteller testen Uhren üblicherweise in zwei Schritten:
1. Die Trockenprüfung
Die Uhr kommt in eine Druckkammer.
- Luftdruck wird erhöht
- Sensoren messen Gehäuseverformung
Vorteil: kein Risiko für das Uhrwerk.
2. Die Nassprüfung
Die Uhr wird teilweise ins Wasser getaucht.
Ablauf:
- Druck wird erhöht
- Uhr wird ins Wasser gesenkt
- Druck wird reduziert
Wenn Luftblasen austreten ist ein Leck vorhanden.
7. Extremfälle: Taucheruhren und Sättigungstauchen
Professionelle Taucheruhren, etwa Modelle von Herstellern wie Rolex, Omega, Seiko und vielen weiteren Qualitätsherstellern sind teilweise für extreme Tiefen konstruiert.
Ein Beispiel ist die berühmte Tiefseeuhr Rolex Deepsea Sea‑Dweller
Solche Uhren besitzen verstärkte Gehäuse, dicke Saphirgläser und Heliumventile für Sättigungstauchen. Das Heliumventil verhindert, dass sich bei Druckentlastung Gas im Gehäuse ausdehnt und das Glas absprengt.
8. Thermoschock-Tests
Viele Hersteller führen zusätzlich Temperaturwechseltests durch:
Typischer Ablauf:
- Uhr bei 40 °C
- sofort in 5 °C Wasser
- anschließend wieder Erwärmung
Ziel ist es zu prüfen:
- ob sich Kondensation bildet
- ob Dichtungen weiterhin funktionieren.
