Christie´s


Wo der Hammer schwingt und die Millionen fliegen

Wenn man an Christie’s denkt, kommen einem sofort Bilder von ehrwürdigen Herren in maßgeschneiderten Tweed-Anzügen, staubigen Dachbodenfunden und einer Atmosphäre in den Sinn, die so exklusiv ist, dass man schon beim Betreten des Gebäudes Angst hat, versehentlich durch ein Niesen ein Gebot über fünf Millionen Pfund abzugeben. Doch Christie’s ist weit mehr als nur ein Ort, an dem reiche Leute Dinge kaufen, die sie eigentlich nicht brauchen, um Leute zu beeindrucken, die sie eigentlich nicht mögen. Seit der Gründung durch James Christie im Jahr 1766 in London hat sich das Haus zum ultimativen Spielplatz der Superlative gemausert. Hier wird Geschichte nicht nur verwaltet, sondern unter den Hammer genommen – und das mit einer Eleganz, die selbst James Bond blass aussehen ließe. Ob Napoleon seine Schnupftabakdose verlegt hat oder Picasso mal wieder eine Leinwand vollgekritzelt hat: Am Ende landet alles bei Christie’s, wo ein kleiner Holzhammer darüber entscheidet, wer das nächste Erbstück für die übernächste Generation bunkert.

Der eigentliche Nervenkitzel bei Christie’s ist die paradoxe Mischung aus aristokratischer Steifheit und dem Adrenalinpegel eines Formel-1-Rennens. Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einem Saal in London, New York oder Hongkong. Die Luft ist so dick mit Prestige gefüllt, dass man sie in Scheiben schneiden könnte. Der Auktionator steht vorne, spricht ein Englisch, das so geschliffen ist, dass man sich daran schneiden könnte, und jongliert mit Zahlen, die für Normalsterbliche eher wie Telefonnummern inklusive Vorwahl aussehen. „Going once, going twice...“ – in diesen Sekunden zwischen dem Gebot und dem Knall des Hammers entscheidet sich, ob ein Ölgemälde für 450 Millionen Dollar den Besitzer wechselt oder ob jemand gerade das teuerste Missverständnis seines Lebens begangen hat. Es ist ein bisschen wie eBay für Fortgeschrittene, nur dass man statt einer gebrauchten Kaffeemaschine eben einen echten Da Vinci ersteigert und die Versandkosten wahrscheinlich den Wert eines Reihenhauses in Castrop-Rauxel haben.

Aber Christie’s wäre nicht der Platzhirsch im Auktionsdschungel, wenn sie nicht auch ein Auge für das Skurrile und Popkulturelle hätten. Wer braucht schon alte Meister, wenn man die Garderobe von Audrey Hepburn oder die Gitarren von David Gilmour haben kann? Das Auktionshaus hat verstanden, dass Nostalgie die stärkste Währung der Welt ist (direkt nach dem Schweizer Franken, natürlich). Sie schaffen es, den abgetragenen Cardigan eines Rockstars wie eine heilige Reliquie zu inszenieren, sodass Sammler bereit sind, Summen auf den Tisch zu legen, für die man anderswo eine ganze Modekette kaufen könnte. Dieser Sinn für das Spektakel sorgt dafür, dass Christie’s nicht im Elfenbeinturm verstaubt, sondern im Gespräch bleibt. Es ist die perfekte Symbiose aus „Ich besitze ein Schloss“ und „Ich bin eigentlich ein totaler Fanboy“, was die Bieterschlachten oft unterhaltsamer macht als jede Reality-TV-Show – nur eben mit deutlich besserem Wein in den Pausen.

Natürlich hat sich auch die ehrwürdige Institution dem digitalen Zeitalter gebeugt, was zu herrlich absurden Situationen führt. Früher musste man noch persönlich erscheinen oder diskret von einer Yacht im Mittelmeer aus anrufen, heute kann man theoretisch im Schlafanzug von der Couch aus ein NFT für 69 Millionen Dollar ersteigern. Christie’s war das erste große Auktionshaus, das den digitalen Goldrausch ernst nahm und damit die Kunstwelt einmal ordentlich durchgeschüttelt hat. Das zeigt: Die Jungs und Mädels bei Christie’s sind zwar alt, aber nicht von gestern. Sie wissen genau, dass der Markt sich dreht, und wenn morgen jemand beschließt, dass verpixelte Affenbilder das neue Gold sind, dann wird Christie’s derjenige sein, der den passenden goldenen Rahmen (virtuell, versteht sich) dafür liefert. Man muss den Mut bewundern, mit dem sie zwischen jahrhundertealten Skulpturen und digitalen Codes hin- und herjonglieren, ohne dabei die Monokel-Etikette zu verlieren.

Am Ende des Tages ist Christie’s ein faszinierendes Theater der Eitelkeiten, der Leidenschaft und des ganz großen Geldes. Es ist ein Ort, an dem Träume verkauft werden – vorausgesetzt, das Bankkonto ist tief genug, um nicht darin zu ertrinken. Wer dort kauft, erwirbt nicht nur ein Objekt, sondern den Mythos gleich mit. Und während wir Normalsterblichen uns schon freuen, wenn wir auf dem Flohmarkt einen Zehner für eine alte Vase runterhandeln, lächelt man bei Christie’s über solche Beträge nur milde. Es bleibt das glamouröseste Casino der Welt, in dem man am Ende zwar vielleicht pleite ist, dafür aber einen echten Picasso über dem Kamin hängen hat, der einen beim Nudelessen beobachtet.

Und mal ehrlich: Wenn man schon sein Geld verprasst, dann doch bitte mit Stil, einem Glas Champagner in der Hand und dem befriedigenden Geräusch eines Hammers, der gerade die eigene Kreditkarte in den Orbit geschossen hat.

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