Schleichende Sekunde
"Sweeping Second"
Wenn die Zeit fließend verstreicht
Der sanft dahingleitende Sekundenzeiger gilt in der Horlogerie seit jeher als Inbegriff eleganter Uhrmacherkunst. Während bei gewöhnlichen Quarzuhren der Sekundenzeiger im staccatoartigen Sekundentakt springt, bewegt er sich bei der sogenannten „schleichenden Sekunde“ (Sweeping Second) in einer kontinuierlichen, fast magischen Fließbewegung über das Zifferblatt.
Technisch basiert diese Anmutung auf einer hohen Frequenz der Impulsgeber. Bei mechanischen Automatikuhren wird der Zeiger durch die Unruh angetrieben. Je nach Halbschwingungen pro Stunde (z. B. 28.800 A/h bei gängigen Schweizer Kalibern) teilt sich die Sekunde in 8 Einzelschritte auf. Für das menschliche Auge verschmelzen diese Micro-Stopps zu einem geschmeidigen Gleiten.
Noch flüssiger gelingt die Umsetzung bei modernster Hybridsynthese. Die legendäre Seiko Spring Drive nutzt ein mechanisches Aufzugssystem in Kombination mit einer elektromagnetischen Bremse, was eine vollkommen reibungslose, stufenlose Bewegung ohne jegliches Ticken erzeugt.
Im Bereich der Quarztechnologie haben Marken wie Bulova mit der Precisionist- und UHF-Serie (262 kHz) sowie Grand Seiko (Kaliber 9F) Maßstäbe gesetzt. Durch extrem hochfrequente Quarz-Oszillatoren macht der Zeiger bis zu 16 Schritte pro Sekunde. Dadurch verbindet sich die optische Faszination mechanischer Uhren mit der unerreichten Ganggenauigkeit moderner Elektronik.
Eine Seiko "Grand Seiko" mit Spring Drive Uhrwerk.
Bildquelle: Martin Zetzschke bei Edel & Zeit
Ob mechanisches Manufakturwerk oder hochpräziser Quarzantrieb – die schleichende Sekunde fasziniert Uhrenliebhaber weltweit. Sie macht das kontinuierliche Verstreichen der Zeit nicht nur messbar, sondern auch ästhetisch erlebbar.
Bildquelle: Martin Zetzschke
Die Marken Bulova und Grand Seiko repräsentieren zwei unterschiedliche, aber gleichermaßen faszinierende Philosophien der modernen Uhrmacherkunst, wenn es um ultimative Präzision und außergewöhnliche Antriebskonzepte geht.
Bulova, eine Marke mit tiefen amerikanischen Wurzeln und heute Teil der Citizen-Gruppe, schrieb bereits 1960 mit der summenden Stimmgabeluhr Accutron Geschichte. Heute führt die Bulova Precisionist-Kollektion dieses Erbe fort. Mit einem Hochfrequenz-Quarzwerk, das mit 262 Kilohertz schwingt – achtmal schneller als Standardquarzwerke –, erreicht Bulova eine beeindruckende Genauigkeit von wenigen Sekunden Abweichung pro Jahr. Das optische Aushängeschild ist der kontinuierlich schleichende Sekundenzeiger, der die Ästhetik fließender Mechanik in ein sehr erreichbares Preissegment bringt.
Auf der anderen Seite des Spektrums steht die japanische Luxusmanufaktur Grand Seiko. Hier trifft kompromisslose Handwerkskunst auf revolutionäre Antriebstechnik. Mit der bahnbrechenden Spring Drive-Technologie erschuf Grand Seiko ein Hybridsystem, das die klassische Aufzugsfeder einer mechanischen Uhr mit einem elektromagnetischen Regulator kombiniert. Das Ergebnis ist eine völlig stufenlose, lautlose Gleitbewegung des Sekundenzeigers ohne jegliche Unruh-Hemmung. Gleichzeitig setzt die Marke mit dem Kaliber 9F den Goldstandard für klassische Quarzwerke: handmontiert, thermokompensiert und dank eines
Doppelimpuls-Motors kraftvoll genug, um massive Zeiger ohne das typische Nachzittern hochpräzise anzutreiben.
Beide Manufakturen beweisen eindrucksvoll, dass abseits der klassischen Schweizer Mechanik ein unvergleichlicher Innovationsgeist tickt.
